Raumakustik messbar machen: Wie viele Absorber Ihr Büro braucht

Dass ein Raum hallt, hört jeder in zwei Sekunden. Wie viel Absorptionsfläche fehlt, schätzt fast niemand richtig — die Antworten reichen von „ein paar Bilder an die Wand“ bis „die ganze Decke“. Dabei braucht der erste Überschlag nur einen Zollstock und eine Formel.

Dieser Beitrag zeigt den Rechenweg — nicht als Ersatz für eine raumakustische Fachplanung, sondern als das, was vorher kommt: eine belastbare Größenordnung, mit der man in ein Gespräch geht. Ob acht oder achtzig Quadratmeter Absorberfläche fehlen, entscheidet über Budget und Bauzeit. Wir gehen der Reihe nach vor und rechnen zum Schluss einen konkreten Raum vollständig durch.

Die kurze Antwort: der Überschlag in drei Schritten

  1. Raumvolumen bestimmen. Länge mal Breite mal Höhe. Bei abgehängten Decken zählt die lichte Höhe bis zur Unterdecke.
  2. Vorhandene Absorption addieren. Jede Fläche mit ihrem Absorptionsgrad multiplizieren und aufaddieren — das ergibt die äquivalente Absorptionsfläche A in Quadratmetern.
  3. Zielwert einsetzen und die Differenz bilden. AZiel = 0,163 · V / TZiel. Was zwischen AZiel und dem Ist-Wert liegt, muss als zusätzliche Absorptionsfläche in den Raum.

Der Satz, der alles Weitere trägt: Die Nachhallzeit halbiert sich, wenn sich die Absorptionsfläche verdoppelt. Sie verhält sich umgekehrt proportional, nicht linear.

Die Nachhallzeit — der Kennwert, um den es geht

Die Nachhallzeit T beschreibt, wie lange ein Schallereignis nachklingt, nachdem die Quelle verstummt ist. Definiert ist sie als die Zeit, in der der Schalldruckpegel um 60 Dezibel abfällt — daher die Schreibweise T60 oder RT60. Gemessen wird meist über 20 oder 30 Dezibel Abfall und auf 60 hochgerechnet.

Zwei Randbedingungen entscheiden darüber, ob zwei Zahlen überhaupt vergleichbar sind — und stehen selten dabei:

  • Der Frequenzbereich. Nachhallzeit ist keine Zahl, sondern eine Kurve. Für Büros gilt der Mittelwert der Oktavbänder von 250 bis 2.000 Hertz. Ein Raum kann dort im Ziel liegen und bei 125 Hertz trotzdem dröhnen.
  • Der Belegungszustand. Die Zielwerte gelten für den möblierten, aber unbenutzten Raum. Personen sind wirksame Absorber — wer sie mitrechnet, rechnet sich den Raum schön.

Die Sabinesche Formel — und wo sie aufhört zu gelten

Den Zusammenhang zwischen Volumen, Absorption und Nachhallzeit fand Wallace Clement Sabine Ende des 19. Jahrhunderts — bis heute die Grundlage jeder Überschlagsrechnung:

T = 0,163 · V / A — die Nachhallzeit T in Sekunden ergibt sich aus dem Raumvolumen V in Kubikmetern, geteilt durch die äquivalente Absorptionsfläche A in Quadratmetern, mal einer Konstanten von 0,163 Sekunden je Meter.

  • V — das Raumvolumen in m³. Bei abgehängten Decken zählt nur der Raum darunter; der Deckenhohlraum gehört akustisch nicht dazu — beim Schallschutz zwischen zwei Räumen dagegen sehr wohl.
  • A — die äquivalente Absorptionsfläche in m². Keine reale Fläche, sondern ein Rechenwert: die Fläche, die vollständig absorbieren müsste, um so zu wirken wie alle Oberflächen zusammen.
  • 0,163 — die Konstante in s/m. Kein Erfahrungswert: In ihr stecken die Schallgeschwindigkeit und der Faktor für 60 Dezibel Pegelabfall. Je nach angesetzter Lufttemperatur findet man auch 0,161.

Vier Grenzen, die man kennen muss

  • Sie setzt ein diffuses Schallfeld voraus, also eine einigermaßen gleichmäßige Schallverteilung. Auf einen möblierten Büroraum trifft das zu; auf eine Halle mit einer einzigen absorbierenden Wand nicht.
  • Sie versagt bei starker Bedämpfung. Liegt der mittlere Absorptionsgrad über etwa 0,3, rechnet Sabine systematisch zu lang; dann sind Ansätze wie der nach Eyring genauer. Für den Weg von hallig zu normal reicht Sabine.
  • Sie mag keine extremen Proportionen. Faustregel: Die längste Raumseite sollte höchstens das Fünffache der kürzesten betragen. In flachen, weit ausgedehnten Geschossflächen ist die Pegelabnahme über die Entfernung das richtige Kriterium.
  • Sie kennt keinen Ort. Ob der Absorber über dem Schreibtisch hängt oder in der hintersten Ecke, ist ihr gleichgültig. Der Praxis nicht.

Der Überschlag sagt zuverlässig, welche Größenordnung an Fläche nötig ist. Nichts sagt er über die Schalldämmung zum Nachbarraum — dafür sind andere Bauteile zuständig, nachzulesen in Wie viel Schallschutz braucht ein Büro?.

Äquivalente Absorptionsfläche: Fläche mal Absorptionsgrad

Die zweite Formel ist die einfachere und die wichtigere. Jede Oberfläche schluckt einen Teil des auftreffenden Schalls; wie viel, beschreibt ihr Absorptionsgrad α. Fläche mal Absorptionsgrad, alles addiert, ergibt A:

A = α1 · S1 + α2 · S2 + … + αn · Sn — 10 m² Material mit einem Absorptionsgrad von 0,8 ergeben 8 m² äquivalente Absorptionsfläche. Nicht die Menge an Material entscheidet, sondern das Produkt aus Fläche und Wirkungsgrad.

Das hat eine handfeste Folge: Zwei Angebote über dieselbe Quadratmeterzahl Akustikpaneel können sich in der Wirkung um den Faktor drei unterscheiden. In jedes Angebot gehört deshalb der Absorptionsgrad über die Frequenz, nicht als einzelne Zahl — was Einzahlwerte verschweigen, zeigt der Beitrag über die Zahlen auf Datenblättern.

Der Absorptionsgrad α und die Klassen A bis E

Der Absorptionsgrad gibt an, welcher Anteil der auftreffenden Schallenergie nicht zurückkommt: 0,00 für die ideal reflektierende, 1,00 für die vollständig absorbierende Fläche. Die DIN EN ISO 11654 fasst ihn zum bewerteten Absorptionsgrad αw zusammen und bildet daraus Absorberklassen:

KlasseαwTypische Bauteile
A0,90 · 0,95 · 1,00Akustikdecken, dicke poröse Absorber, Segel
B0,80 · 0,85Paneele und Deckenplatten mittlerer Dicke
C0,60 · 0,65 · 0,70 · 0,75dünnere Paneele, Akustikputz, Textil mit Wandabstand
D0,30 · 0,35 · 0,40 · 0,45 · 0,50 · 0,55dicke Vorhänge, Polstermöbel, offene Regale
E0,15 · 0,20 · 0,25dünne Textilien — kaum wirksam
Klassifizierung nach DIN EN ISO 11654. Werte von 0,10 und darunter werden nicht klassifiziert. Die Bewertung beginnt erst bei 250 Hertz — ein Produkt der Klasse A darf bei 125 Hertz bei 0,25 liegen.

Größenordnungen für den Überschlag

Für die erste Rechnung genügen Erfahrungswerte im mittleren Frequenzbereich — Planungsansätze, keine Produktdaten:

Oberflächeα (Größenordnung, 500–1.000 Hz)
Sichtbeton, Fliesen, Marmor, Parkett0,02 – 0,05
Glattputz, Gipskarton, Glaswand, Fenster0,03 – 0,10
Teppichbelag, dünn (bis 6 mm)0,10 – 0,15
Teppichbelag, dick (7–10 mm)0,25 – 0,30
Schwerer Vorhang, in Falten und mit Wandabstand0,40 – 0,70
Akustikputz, perforierte Platten0,50 – 0,80
Akustikdecke oder poröser Absorber mit Wandabstand0,80 – 1,00
Planungswerte aus der Praxis, gerundet. Reale Produkte weichen nach oben und unten ab.

Die Konsequenz: Ein Raum aus Glas, Putz und Hartboden hat einen mittleren Absorptionsgrad von rund 0,05 — er wirft 95 Prozent von allem zurück. Genau so klingt er auch.

Welche Nachhallzeit ist das Ziel?

Ohne Zielwert ist die schönste Formel wertlos. Die Arbeitsstättenregel ASR A3.7 nennt drei Werte, gültig für den möblierten, aber unbenutzten Raum, gemittelt über die Oktavbänder von 250 bis 2.000 Hertz:

RaumartNachhallzeit TA/V-VerhältnisWas das für den Ausbau heißt
Ein- und Zweipersonenbüro0,8 srund 0,20Teppich plus Teildecke reicht meist
Mehrpersonen- und Großraumbüro0,6 srund 0,27Akustikdecke praktisch immer nötig
Callcenter0,5 srund 0,33Decke voll belegt, dazu Wand
Zielwerte nach ASR A3.7; das A/V-Verhältnis ist daraus gerechnet (A/V = 0,163 / T). Für Räume über 1.000 m³ tritt an die Stelle der Nachhallzeit die Pegelabnahme je Abstandsverdopplung.

Die DIN 18041 kommt zum selben Ergebnis: Für Räume, in denen es um Lärmminderung über kurze Entfernung geht — dazu zählen Büros —, fordert sie kein bestimmtes T, sondern direkt ein Verhältnis von Absorptionsfläche zu Raumvolumen. Für Arbeitsräume liegt es bei A/V ≥ 0,25, rechnerisch etwa 0,65 Sekunden. Wie sich die Regelwerke zueinander verhalten, ordnet Akustik & Schallschutz im Büro: die maßgeblichen Normen ein; die Bürosicht der VDI-Richtlinie vertieft VDI 2569 in der Büroplanung: Raumklassen und Kennwerte.

Nach unten gibt es ebenfalls eine Grenze, auch wenn sie in keiner Anforderung steht: Unter etwa 0,4 Sekunden wirkt ein Büroraum unnatürlich trocken — und weil das maskierende Grundgeräusch fehlt, wird ein Gespräch drei Tische weiter wieder Wort für Wort verständlich.

Wir rechnen Ihren Raum durch.

Schicken Sie uns Grundriss, Höhe und die vorhandenen Oberflächen — Sie bekommen einen Überschlag mit Zielwert, fehlender Absorptionsfläche und einem Vorschlag, wo sie hingehört.

Ein Raum, vollständig durchgerechnet

Ein Mehrpersonenbüro von 6 mal 8 Metern, 3 Meter lichte Höhe: 6 × 8 × 3 = 144 m³ bei 180 m² Gesamtoberfläche. Teppich, verputzte Wände, eine Glastrennwand zum Flur, glatte Decke, normale Möblierung.

Schritt 1: Wie viel Absorption ist heute im Raum?

FlächeGrößeαA = α · S
Decke, glatt verputzt oder Gipskarton48 m²0,052,4 m²
Boden, dünner Teppichbelag48 m²0,157,2 m²
Wände massiv, verputzt oder Vollwand64 m²0,053,2 m²
Glasflächen und Fenster20 m²0,051,0 m²
Möblierung (Schränke, Stühle, Akten)pauschal6,0 m²
Summe A19,8 m²

Eingesetzt: T = 0,163 · 144 / 19,8 = 1,19 Sekunden — rund das Doppelte des Zielwerts. Die 6 m² Möblierung sind ein Planungsansatz und der Posten mit der größten Unsicherheit; Personen bleiben außen vor.

Schritt 2: Wie viel Absorptionsfläche fehlt — und was deckt sie?

AZiel = 0,163 · 144 / 0,6 = 39,1 m². Vorhanden sind 19,8 m². Es fehlen also 19,3 m² äquivalente Absorptionsfläche.

Wie viel Material das ist, hängt von der Klasse ab — und davon, dass die überbaute Fläche ihren bisherigen Beitrag verliert: Wer die Decke belegt, gewinnt nur die Differenz zu den bisherigen 0,05.

AbsorberklasseαwNötige FlächeAnteil der Decke
A0,9022,7 m²rund 47 %
B0,8025,8 m²rund 54 %
C0,6532,2 m²rund 67 %

Gewählt: 23 m² Akustikdecke der Klasse A mit αw 0,90 — knapp die halbe Deckenfläche, als Feld oder als Segel über den Arbeitsplätzen.

A = 19,8 − 23 · 0,05 + 23 · 0,90 = 39,4 m²

T = 0,163 · 144 / 39,4 = 0,60 Sekunden. Zielwert erreicht. Das A/V-Verhältnis steigt von 0,14 auf 0,27 und liegt damit auch über der Anforderung der DIN 18041 für Arbeitsräume.

Bemerkenswert ist, wie wenig Fläche nötig war — und wie viel schlechter dieselbe Aufgabe mit der falschen Klasse ausgeht: Mit Klasse C wären es zwei Drittel der Decke gewesen, bei ähnlichem Preis je Quadratmeter.

Von der Zahl zur Maßnahme: Decke, dann Wand, dann Möbel

Die Rechnung sagt, wie viel — nicht, wohin. Diese Reihenfolge hat sich in unseren Projekten bewährt:

  1. Die Decke zuerst. Größte zusammenhängende freie Fläche, dem Schall unmittelbar gegenüber, und die einzige, die niemand zustellt. Erst wenn sie ausscheidet — Sichtbeton als Speichermasse, Kühldecke, Denkmalschutz —, verschiebt sich die Reihenfolge.
  2. Dann die Wand. Wandabsorber entkoppeln gegenüberliegende harte Flächen: Zwei parallele Glaswände erzeugen Flatterechos, die ein einziges belegtes Feld auflöst. Zwischen Sitz- und Stehohrhöhe, also etwa 1,10 bis 1,80 Meter, bringt ein Quadratmeter mehr als über Türhöhe.
  3. Zuletzt die Möbel. Polsterelemente, Akustik-Stellwände, raumteilende Regale, Vorhänge: die teuerste Absorption je Quadratmeter — aber oft die einzige, die im laufenden Betrieb nachrüstbar ist.

Was das im Einzelfall kostet, zeigt Akustiklösungen im Vergleich: Decke, Wand, Möbel oder Trennwand?. Für offene Flächen kommt eine Ebene hinzu, die mit Absorption allein nicht zu lösen ist: die Zonierung — siehe Schallschutz im Open Space richtig planen und Die Rolle von Zonierung in modernen Arbeitswelten.

Tiefe Frequenzen sind das eigentliche Problem

Jetzt der Teil, den der Überschlag verschweigt: Alles bisher Gesagte gilt für den mittleren Frequenzbereich. Darunter wird Absorption unbequem — und dort sitzt das, was Nutzer als „dröhnend“ beschreiben: Lüftung, Schritte, Türenschlagen, tiefe Stimmen.

Der Grund ist geometrisch. Ein poröser Absorber wandelt Schall in Wärme um, indem er die Bewegung der Luftteilchen bremst. Direkt an einer harten Wand ist diese Bewegung null, ihr erstes Maximum liegt eine viertel Wellenlänge davor — und die ist bei tiefen Tönen groß:

FrequenzWellenlängeViertel-WellenlängeWas das bedeutet
125 Hz2,74 m69 cmrein porös unrealistisch
250 Hz1,37 m34 cmdicke Konstruktion oder großer Wandabstand
500 Hz0,69 m17 cmeine abgehängte Decke erreicht das
1.000 Hz0,34 m9 cmübliche Paneelstärke reicht
2.000 Hz0,17 m4 cmjedes Textil wirkt
Gerechnet mit 343 m/s. Die Viertel-Wellenlänge ist eine Faustregel für die volle Wirksamkeit, keine harte Grenze — darunter fällt die Wirkung allmählich ab.

Konkret: Ein 25 Millimeter dünnes Paneel, direkt auf die Wand geschraubt, arbeitet rechnerisch erst oberhalb von rund 3.400 Hertz voll. Dasselbe Paneel mit 200 Millimetern Wandabstand wirkt schon ab etwa 380 Hertz. Der Luftraum kostet nichts.

Zwei Regeln, die jedes Angebot bestehen sollte: Absorber mit Abstand montieren statt bündig. Und nach dem Absorptionsgrad bei 125 und 250 Hertz fragen statt nach αw. Wo poröse Absorber endgültig enden, helfen nur noch abgestimmte Resonatoren — der Punkt, an dem der Überschlag aufhört und eine Messung anfängt.

Akustik, die schon in der Wand steckt

Absorption wird meist nachträglich gedacht: erst der Raum, dann das Paneel. Dabei entscheidet die Wandplanung mit — jede zusätzliche Glasfläche bringt einen Absorptionsgrad um 0,05 in den Raum. Der Ausgleich lässt sich im selben Bauteil erledigen:

  • SYSTEM105 führt akustisch wirksame Oberflächen als Teil des Systems: Glas- und Vollwandelemente, akustisch wirksame Oberflächen möglich. Einzelne Felder schlucken Schall, die Wandansicht bleibt durchgehend.
  • CLARUS und CLARUS II lassen sich mit Akustikelementen kombinieren — Glasfelder und absorbierende Felder liegen in derselben Flucht.
  • Systembüro für Hallen bringt die Absorption mit: Vollwand, Fenster, Türen und Akustikelemente. In Produktionsumgebungen oft der wirksamste Ort überhaupt, weil die Halle selbst kaum zu behandeln ist.

Absorption in der Trennwand kostet keinen Raum; Absorption, die nachträglich an die Wand kommt, kostet Fläche, Zeit und meist eine zweite Baustelle. Überblick über die Bauweisen: Systemtrennwände & Glaswände — über die Raumakustik: unsere Akustiklösungen.

Häufige Fragen zur Berechnung von Absorbern

Wie berechne ich, wie viele Absorber ich brauche?

In drei Schritten: Raumvolumen bestimmen, vorhandene Absorption addieren (jede Fläche mal ihrem Absorptionsgrad), dann AZiel = 0,163 · V / TZiel rechnen. Die Differenz ist die fehlende Absorptionsfläche. Sie teilen Sie durch den Absorptionsgrad des geplanten Produkts abzüglich dessen, was die überbaute Fläche bisher leistete — das ergibt die Quadratmeter Material.

Wann gilt die Sabinesche Formel nicht mehr?

T = 0,163 · V / A setzt ein einigermaßen diffuses Schallfeld voraus. Bei mittleren Absorptionsgraden über etwa 0,3 rechnet sie zu lang — dann ist der Ansatz nach Eyring genauer. Als Faustregel sollte die längste Raumseite höchstens das Fünffache der kürzesten betragen.

Was bedeuten die Absorberklassen A bis E?

Sie fassen den bewerteten Absorptionsgrad αw nach DIN EN ISO 11654 zusammen: Klasse A steht für 0,90 bis 1,00, B für 0,80 bis 0,85, C für 0,60 bis 0,75, D für 0,30 bis 0,55, E für 0,15 bis 0,25. Werte von 0,10 und darunter werden nicht klassifiziert. Die Bewertung beginnt erst bei 250 Hertz — über den Bassbereich sagt die Klasse nichts.

Welche Nachhallzeit soll ein Büro haben?

Die ASR A3.7 nennt 0,8 Sekunden für Ein- und Zweipersonenbüros, 0,6 für Mehrpersonen- und Großraumbüros und 0,5 für Callcenter — jeweils möbliert, aber unbenutzt, gemittelt über 250 bis 2.000 Hertz. Die DIN 18041 fordert für Arbeitsräume A/V ≥ 0,25, also etwa 0,65 Sekunden.

Warum wirken dünne Absorber bei tiefen Tönen nicht?

Ein poröser Absorber bremst die Bewegung der Luftteilchen. Direkt an einer harten Wand ist diese Bewegung null; ihr erstes Maximum liegt eine viertel Wellenlänge davor — bei 125 Hertz rund 69 Zentimeter, bei 1.000 Hertz nur noch 9. Ein 25 Millimeter starkes Paneel auf der Wand arbeitet deshalb erst oberhalb von etwa 3.400 Hertz voll. Wandabstand hilft am einfachsten.

Reicht es, nur die Decke zu belegen?

In Räumen normaler Höhe meistens ja: In unserer Beispielrechnung für 144 m³ genügten rund 23 m² Akustikdecke der Klasse A, um von 1,19 auf 0,60 Sekunden zu kommen. Wandabsorber kommen dazu, wenn parallele harte Flächen Flatterechos erzeugen.

Kann man zu viel absorbieren?

Ja. Unter etwa 0,4 Sekunden wirkt ein Büroraum unnatürlich, Sprecher heben unwillkürlich die Stimme, und weil das maskierende Grundgeräusch fehlt, werden entfernte Gespräche wieder besser verständlich.

Fazit

Raumakustik ist der einzige Teil der Bauakustik, den man ohne Messgerät überschlägig selbst rechnen kann. Drei Größen, zwei Formeln, eine Tabelle mit Absorptionsgraden — mehr braucht es nicht, um zu wissen, ob acht oder fünfundzwanzig Quadratmeter fehlen. Diese Größenordnung verändert jedes Gespräch mit Anbietern.

Zwei Dinge sollten hängen bleiben: Die Nachhallzeit reagiert umgekehrt proportional auf die Absorptionsfläche — halbe Zeit heißt doppelte Fläche. Und die Klasse entscheidet stärker über den Erfolg als die verbaute Quadratmeterzahl.

Hören Sie sich den Unterschied an.

Rechnen ist das eine, hören das andere. Wir kommen mit Mustern zu Ihnen und führen den Unterschied direkt auf Ihrer Fläche vor — einen ersten Eindruck der Systeme gibt vorab unser virtueller Showroom.

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Dieser Beitrag erklärt eine Überschlagsrechnung und nennt Planungswerte aus der Praxis. Er ersetzt keine raumakustische Fachplanung und keine Messung. Absorptionsgrade sind Größenordnungen; maßgeblich ist das Prüfzeugnis des jeweiligen Produkts. Verbindlich sind die Anforderungen der ASR A3.7 und die vertraglich vereinbarten Ziele. Stand: August 2026.

Rechtlicher Hinweis. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er ersetzt weder eine Fachplanung noch eine Rechtsberatung und stellt keine Rechts-, Bau- oder Anlageberatung dar. Alle Angaben, Werte und Empfehlungen sind unverbindlich und beschreiben typische Größenordnungen aus der Praxis; im Einzelfall können abweichende Anforderungen gelten. Normen, Richtlinien und Rechtsvorschriften werden fortgeschrieben — maßgeblich ist immer die zum Zeitpunkt Ihres Vorhabens geltende Fassung. Angegebene Schalldämm- und Brandschutzwerte sind Prüfwerte aus dem Labor; die am Bau erreichbaren Werte hängen von Anschluss, Nebenwegen und Montage ab. Verbindlich sind ausschließlich die im Genehmigungsverfahren nachgewiesenen Anforderungen, die vertraglichen Vereinbarungen und die Prüfzeugnisse der eingesetzten Systeme. Für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte übernehmen wir keine Gewähr; eine Haftung für Schäden aus der Nutzung dieser Informationen ist ausgeschlossen, soweit gesetzlich zulässig. Stand: August 2026.

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