Schallschutz im Open Space richtig planen

Ein offener Grundriss stärkt Zusammenarbeit und Tempo. Ohne akustisches Konzept steigen jedoch Störungen, die Verständlichkeit sinkt und die gefühlte Lautstärke nimmt zu. Gute Planung verbindet Austausch und Fokus. Dieser Beitrag liefert Zielkorridore, definiert zentrale Messgrößen und beschreibt eine Reihenfolge, die in Projekten zuverlässig wirkt.

1. Zielwerte und Messgrößen

Nachhallzeit T20 oder T30

  • Zielkorridor in üblichen Bürohöhen: 0,4 bis 0,6 Sekunden bei 500 Hertz und 1 Kilohertz
  • Wirkung: kürzere Nachhallzeit senkt Grundlautstärke und verbessert Sprachklarheit
  • Messpraxis: kurze Messungen reichen für die Orientierung, Laborpräzision ist im Open Space selten nötig

Sprachverständlichkeit

  • Ziel im Open Space: sinkende Verständlichkeit mit Distanz
  • Kennzahl: Speech Transmission Index als Indikator für die Ausbreitung von Sprache
  • Planung: Sichtbeziehungen und Reflexionen reduzieren, um ungewollte Verständlichkeit zu verringern

Pegelabfall mit Entfernung

  • Normbezug: ISO 3382-3 mit D2,S und Ablenkungsdistanz rD
  • Ziel: zügiger Pegelabfall über die Fläche, kurze Ablenkungsdistanz
  • Hebel: flächige Absorption und Unterbrechung direkter Sichtachsen

Hintergrundgeräusch und Maskierung

  • Gleichmäßiges, leises Spektrum reduziert Kontrast zu Gesprächen
  • Quellen: Haustechnik, Möblierung, optional Maskierungssysteme
  • Vorsicht: Maskierung nur als abgestimmtes System einsetzen

2. Decke als wirksamster Hebel

Material und Absorberklasse

  • Poröse Absorber der Klassen A oder B mit ausreichender Dicke
  • Entscheidend für Sprache: Wirkung zwischen 500 Hertz und 2 Kilohertz
  • Dünne oder rein mikroperforierte Lösungen wirken oft nur im Hochton

Abdeckungsgrad und Geometrie

  • Substanzielle Absorptionsfläche einplanen, nicht nur Dekosegel
  • Varianten: Teilabdeckung mit Segeln oder kontinuierliche Decke mit Technikfeldern
  • Ausschreibung mit Mindestäquivalenzfläche statt reiner Stückzahl

Integration in die Gebäudetechnik

  • Freihaltebereiche für Leuchten, Sprinkler, Sensorik
  • Frühabstimmung von Fugenraster und Montagesystemen mit TGA und Brandschutz
  • Wartungszugänglichkeit sicherstellen

3. Wände gezielt für Reflexionen und Sichtachsen

Platzierung

  • Absorber gegenüber typischen Schallquellen und entlang harter, langer Flächen
  • Flatterechos in Flurzonen und an Glasbändern durch gezielte Felder vermeiden

Absorberanteil und Montagehöhe

  • Wirksam sind Felder in Ohrhöhe der Nutzer, nicht nur schmale Zierleisten
  • Kombination aus Absorption und Streuung erhält ein natürliches Klangbild

Glasanteile balancieren

  • Licht und Sicht erhalten, Reflexionen begrenzen
  • Teilflächen mit Absorbern, textiler Rücklage in Möbeln oder Vorhängen einsetzen

4. Möblierung als akustisch aktives System

Sitzinseln und Screens

  • Polstermöbel, hohe Rückenlehnen und seitliche Screens bilden akustische Nischen
  • Mobile Stellwände schaffen temporäre Puffer zwischen Teamclustern

Boden und Textilien

  • Teppichfliesen reduzieren Trittgeräusche und Hochtonreflexion
  • Ergänzen Deckenmaßnahmen, ersetzen sie jedoch nicht

Regale und Stauraum

  • Offene Regale streuen, rückseitig absorbierende Paneele erhöhen Wirkung
  • Unterschiedliche Befüllungen vermeiden monotone Reflexionsflächen

5. Zonierung, Wege und Blickachsen

Raumtypen sinnvoll ordnen

  • Fokusplätze abseits von Hauptwegen
  • Kollaboration gebündelt in dafür vorgesehenen Bereichen
  • Telefonzonen und Huddle Points in eigenen Nischen

Wegeführung

  • Hauptwege seitlich an Fokusclustern vorbeiführen
  • Kreuzungen bei Kommunikationszonen statt bei Arbeitsplätzen

Unterbrechung von Sicht- und Schallachsen

  • Kombination aus Möblierung, mittelhohen Abschirmungen und punktueller Absorption
  • Glas mit akustischer Ergänzung für Sicht ohne akustische Kopplung

6. Details, Fugen und Flanken

Türen

  • Umlaufende Dichtungen, Absenkdichtung am Boden, korrekt ausgebildete Schwellen
  • Schließkräfte auf Dichtigkeit und Bedienkomfort einstellen

Anschlüsse

  • Luftdichte Übergänge zwischen Wänden, Decken und Böden
  • Abgehängte Decken bei Bedarf mit Aufdopplungen oder Schürzen gegen Flankierungen

Installationen

  • Steckdosenfelder, Lüftungsauslässe, Leitungsdurchführungen kapseln oder dämmen
  • Jede Öffnung reduziert die wirksame Schalldämmung und muss geplant werden

7. Vorgehensmodell von der Analyse bis zum Rollout

Bestandsaufnahme

  • Kurze Messung der Nachhallzeit
  • Erfassung von Materialien, Geometrie und typischen Lärmsituationen
  • Erste Hypothesen zu Quellen und Schallwegen

Zieldefinition

  • Zielkorridor für T20 oder T30
  • Reduktion der Ablenkungsdistanz und qualitative Ziele für Verständlichkeit
  • Abgleich mit Nutzung und Organisation

Konzept und Reihenfolge

  • Erst Decke für das Grundniveau
  • Dann Wandflächen für Reflexionen
  • Anschließend Möblierung und mittelhohe Abschirmungen
  • Danach Zonierung und Wegeführung
  • Zuletzt Detailplanung für Türen und Anschlüsse

Pilot und Verifikation

  • Teilfläche umsetzen, Nachhallzeit messen, Verständlichkeit im Feld prüfen
  • Nutzerfeedback einholen, Flächenanteile und Positionen feinjustieren

Rollout

  • Skalierung der wirksamen Kombinationen
  • Qualitätskontrollen in kritischen Zonen
  • Dokumentation für Betrieb und spätere Anpassungen

Fazit

Ruhe im Open Space entsteht aus einem abgestimmten Zusammenspiel aus flächiger Deckenabsorption, gezielten Wandmaßnahmen, akustisch aktiver Möblierung, kluger Zonierung und sauber ausgeführten Details. Wer klare Ziele setzt, Kennzahlen misst und in der richtigen Reihenfolge plant, erreicht gute Sprachverständlichkeit am richtigen Ort und wirkungsvolle Vertraulichkeit dort, wo sie benötigt wird. So entstehen offene Flächen mit hoher Aufenthaltsqualität und messbarer Produktivitätswirkung.

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