Schallschutz im Open Space richtig planen: Abstand, Abschirmung, Zonen
„Welchen dB-Wert brauchen wir für das Open Space?“; die Frage kommt in fast jedem Projekt, und sie hat keine Antwort. Nicht, weil sie zu schwer wäre, sondern weil sie ins Leere geht: Zwischen zwei Arbeitsplätzen steht kein Bauteil, dessen Wert man verbessern könnte.
Damit fällt das gesamte Werkzeug weg, mit dem im Bürobau sonst gearbeitet wird: kein Schalldämm-Maß, keine Schallschutzklasse, keine Tür, die man aufwerten kann. Was bleibt, sind drei andere Größen, wie schnell ein Gespräch mit der Entfernung leiser wird, wie weit es verständlich bleibt und wie viel Grundgeräusch im Raum steht.
Dieser Beitrag beschreibt die Planung einer offenen Fläche von Grund auf: die Reihenfolge der Entscheidungen, nicht den Katalog der Produkte. Für Flächen, die schon stehen und in denen es zu laut ist, ist das Nachbessern im laufenden Betrieb der richtige Einstieg.
Inhalt
- Warum es im Open Space keinen Schalldämmwert gibt
- Die drei Größen, in denen offene Flächen bewertet werden
- Pegelabnahme: sechs Dezibel im Freien, oft nur drei im Büro
- Der Ablenkungsabstand ist die ehrlichste Kennzahl
- Das ABC-Prinzip: Absorb, Block, Cover
- Cover: warum ein zu leiser Raum kontraproduktiv ist
- Abschirmung wirkt nur, wenn der Blick unterbrochen ist
- Möblierungsdichte und Verkehrswege
- Wann geschlossene Räume die bessere Antwort sind
- Die Reihenfolge: was zuerst geplant wird
- Regeln gehören ins Konzept, nicht in die Hausordnung
- Häufige Fragen zum Schallschutz im Open Space
- Fazit
- Weiterlesen
Warum es im Open Space keinen Schalldämmwert gibt
Ein bewertetes Schalldämm-Maß beschreibt ein Bauteil: eine Wand, eine Tür, ein Fenster. Es sagt, wie viel Schallenergie auf dem Weg hindurch verloren geht. Wo kein Bauteil steht, gibt es nichts zu messen, und eine Stellwand zwischen zwei Schreibtischen ist kein trennendes Bauteil, sondern ein Hindernis, um das der Schall herum und über das er hinweg läuft.
Deshalb ist die Anforderung „45 dB in der Fläche“ in einer Ausschreibung wertlos: Sie lässt sich weder erfüllen noch nachweisen. Vereinbaren lassen sich Größen der Schallausbreitung, und die hängen an der Decke, an der Möblierung und am Grundriss, nicht an einem Produkt.
Auf der offenen Fläche wird nicht gedämmt, sondern abgeschwächt. Die Frage lautet nicht „wie dicht ist die Trennung“, sondern „wie schnell verliert ein Gespräch seine Wirkung“.
Die drei Größen, in denen offene Flächen bewertet werden
Gemessen wird nach DIN EN ISO 3382-3, der Messnorm für Mehrpersonenbüros. Sie beschreibt die Fläche entlang eines Messwegs durch die Arbeitsplätze und liefert drei Zahlen:
| Kennwert | Was er beschreibt | Gute Fläche | Schlechte Fläche |
|---|---|---|---|
| D2,S | Pegelabnahme der Sprache je Abstandsverdopplung | ab etwa 7 dB | unter 5 dB |
| Lp,A,S,4m | Sprachpegel in vier Metern Abstand | bis etwa 48 dB | über 50 dB |
| rD, der Ablenkungsabstand | Entfernung, ab der ein Gespräch nicht mehr zu verfolgen ist | bis etwa 5 m | über 10 m |
Eine Feinheit, die in Ausschreibungen für Streit sorgt: Die ältere Fassung der Messnorm kannte neben dem Ablenkungsabstand rD (Sprachübertragungsindex STI unter 0,50) auch den Vertraulichkeitsabstand rP, ab dem der STI unter 0,20 fällt und Sprache unverständlich wird. Die Ausgabe von 2022 hat rP gestrichen und den Komfortabstand rC eingeführt: die Entfernung, ab der der Sprachpegel 45 dB unterschreitet. Wer diese Größen ausschreibt, nennt den Ausgabestand dazu.
Pegelabnahme: sechs Dezibel im Freien, oft nur drei im Büro
Im Freien nimmt der Pegel einer Punktquelle bei jeder Verdopplung des Abstands um 6 Dezibel ab. In einem Raum gilt das nicht: Zur direkten Schallwelle kommen Reflexionen von Decke, Boden und Möbeln, die den Pegel wieder auffüllen. In einer offenen Fläche mit harter Decke bleiben häufig nur 2 bis 4 Dezibel übrig. Deshalb stört nicht die Nähe zum Nachbarn, sondern dass auch der übernächste Arbeitsplatz noch mithört:
Was von einem normalen Gespräch am Nachbarplatz ankommt
Ausgangspunkt: ein Gespräch mit rund 60 dB(A) in einem Meter Abstand.
| Fläche | D2,S | 2 m | 4 m | 8 m | 16 m |
|---|---|---|---|---|---|
| harte Decke, keine Abschirmung | 3 dB | 57 dB(A) | 54 dB(A) | 51 dB(A) | 48 dB(A) |
| wirksame Akustikdecke | 6 dB | 54 dB(A) | 48 dB(A) | 42 dB(A) | 36 dB(A) |
| Akustikdecke und Abschirmung in Kopfhöhe | 8 dB | 52 dB(A) | 44 dB(A) | 36 dB(A) | 28 dB(A) |
Das Grundgeräusch einer belegten Bürofläche liegt zwischen 40 und 45 dB(A). Bei 3 dB Abklingrate liegt das Gespräch noch in 16 Metern darüber, ist also über die gesamte Fläche hörbar. Bei 8 dB verschwindet es zwischen vier und acht Metern im Grundgeräusch. Die Rechnung ist vereinfacht; reale Flächen klingen nicht gleichmäßig ab. Die Größenordnung stimmt trotzdem.
Auch das Arbeitsschutzrecht kennt diese Größe: Für sehr große Arbeitsräume nennt die ASR A3.7 neben der Nachhallzeit zwei Alternativen; einen mittleren Schallabsorptionsgrad von mindestens 0,3 oder eine mittlere Pegelabnahme von mindestens 4 dB je Abstandsverdopplung zwischen 500 und 4.000 Hertz. Untergrenze, nicht Ziel.
Abstand ist die einzige Maßnahme, die nichts kostet außer Fläche. Aber sie wirkt nur, wenn der Raum sie zulässt, in einem hallenden Großraum bringt der doppelte Abstand fast nichts.
Der Ablenkungsabstand ist die ehrlichste Kennzahl
Von den drei Größen ist der Ablenkungsabstand die einzige, die man Nutzern erklären kann, ohne über Dezibel zu reden. Er beschreibt eine Entfernung: Innerhalb dieses Radius ist ein fremdes Gespräch gut genug zu verstehen, um abzulenken. Jenseits davon wird es zum Geräusch. Dahinter steht der Sprachübertragungsindex STI, eine Skala von 0 bis 1, bei 0,50 kippt Sprache von „verständlich“ nach „mit Mühe“.
Der praktische Wert zeigt sich im Grundriss: Man trägt um jeden Arbeitsplatz einen Kreis mit dem Radius rD ab. Alles darin wird von einem Gespräch dort gestört. Bei zehn Metern erfasst ein einziges Telefonat eine halbe Etage, bei fünf Metern die unmittelbaren Nachbarn. Kein Diagramm überzeugt Nutzer schneller.
Ein Großraumbüro ist selten zu laut. Es ist zu verständlich. Deshalb ist der Ablenkungsabstand die richtige Zielgröße und nicht der Schalldruckpegel.
Das ABC-Prinzip: Absorb, Block, Cover
Für offene Flächen hat sich eine kurze Merkformel durchgesetzt. Sie ordnet die drei Wirkprinzipien, die überhaupt zur Verfügung stehen, und zwar in der richtigen Reihenfolge:
| Prinzip | Was gemeint ist | Wirkt auf | Bauteile |
|---|---|---|---|
| A: Absorb | Schall aus dem Raum nehmen, damit Reflexionen den Pegel nicht auffüllen | Nachhallzeit, D2,S | Akustikdecke, Deckensegel, Wandabsorber, Teppich |
| B: Block | Den direkten Weg zwischen Sprecher und Hörer unterbrechen | D2,S, Lp,A,S,4m | Abschirmungen, hohe Möbel, geschlossene Räume |
| C: Cover | Gleichmäßiges Grundgeräusch, das Sprachreste verdeckt | Sprachverständlichkeit, rD | Lüftung, im Sonderfall Sound Masking |
Die Reihenfolge ist keine Geschmacksfrage, sondern Physik. Ohne A wirkt B nicht: Eine Abschirmung, über der eine harte Decke hängt, wird über die Deckenreflexion umgangen. Ohne A und B ist C kein Schutz, sondern zusätzlicher Lärm. Und A allein genügt großen Flächen nicht, weil der direkte Schall zwischen den Plätzen ungehindert läuft.
A ist die Voraussetzung, B die Wirkung, C die Feinabstimmung. Wer bei C anfängt, hat das Problem nur lauter gemacht.
Wir planen Ihre Fläche, bevor sie gebaut wird.
Grundriss, Belegung, Arbeitsweise; daraus wird ein Konzept mit Zonen, Deckenbedarf und Rückzugsräumen.
Cover: warum ein zu leiser Raum kontraproduktiv ist
Sprachverständlichkeit ist ein Verhältnis, kein absoluter Pegel. Ob man ein Gespräch versteht, hängt davon ab, wie weit es über dem übrigen Geräusch liegt. In sehr ruhigen Flächen passiert deshalb etwas Unerwartetes: Je stiller der Raum, desto weiter trägt jedes Wort. Dazu kommt ein Effekt in die andere Richtung: Menschen passen ihre Stimme unbewusst an; steigt der Störpegel um ein Dezibel, steigt der Sprechpegel etwa um ein halbes.
Zwischen beiden Effekten liegt ein schmales Fenster, in dem eine offene Fläche funktioniert: ein gleichmäßiges Grundgeräusch von etwa 40 bis 45 dB(A). Es verdeckt Sprache aus der Nachbarschaft, ohne selbst zu stören.
Hier gehen die Regelwerke auseinander, und das sollte man wissen, bevor man ein Sound-Masking-System ausschreibt: Die ASR A3.7 hält fest, dass das Einspielen von Hintergrundrauschen als Maskierer für die Hintergrundsprache vermieden werden soll. Die VDI 2569 bewertet ein gleichmäßiges Grundgeräusch als wirksames Mittel. Aufgelöst wird der Widerspruch meist über die Gebäudetechnik: Eine Lüftungsanlage, die auf einen gleichmäßigen, unauffälligen Pegel eingeregelt wird, leistet dasselbe ohne zusätzliche Quelle.
Abschirmung wirkt nur, wenn der Blick unterbrochen ist
Der häufigste Fehlkauf auf offenen Flächen ist die zu niedrige Stellwand. Sie kostet Geld, steht im Weg und tut akustisch fast nichts, weil Schall sich um eine Kante herumbeugt. Wirksam wird eine Abschirmung erst, wenn sie die Verbindung zwischen den Köpfen unterbricht, mit Reserve:
| Höhe über Boden | Über Tischplatte | Wofür geeignet |
|---|---|---|
| 1,20 m | rund 48 cm | Sichtschutz am Platz, akustisch praktisch wirkungslos |
| 1,50 m | rund 78 cm | Mindesthöhe für sitzende Tätigkeiten |
| 1,60 m | rund 88 cm | Einzelarbeitsplatz gegen den direkten Nachbarn |
| 1,80 m | rund 108 cm | Trennung zweier Zonen, wirkt auch gegen stehende Personen |
- Die Decke darüber muss absorbieren. Sonst nimmt der Schall den Umweg über die Deckenreflexion; der Grund für die Reihenfolge A vor B.
- Kern mit Masse, Oberfläche mit Poren. Eine reine Absorberplatte ohne dichten Kern schluckt Schall, hält ihn aber nicht auf.
- Keine Lücken. Bündig zum Boden und zu angrenzenden Flächen; ein Spalt macht die Reihe zur Zierde.
- Nah an der Quelle statt in der Mitte. Am stärksten wirkt eine Abschirmung dicht am Sprecher oder dicht am Hörer.
Möblierungsdichte und Verkehrswege
Akustik ist zu einem erheblichen Teil eine Frage der Fläche je Person. Die ASR A1.2 nennt dafür Orientierungswerte: 8 bis 10 Quadratmeter je Arbeitsplatz im Zellenbüro, 12 bis 15 Quadratmeter im Großraumbüro, jeweils einschließlich Möblierung und anteiliger Verkehrsfläche, dazu mindestens 1,5 Quadratmeter freie Bewegungsfläche. Der Aufschlag im Großraum hat einen akustischen Grund: Jeder zusätzliche Meter zwischen zwei Arbeitsplätzen ist Pegelminderung, die nichts kostet außer Grundfläche. Wer nachträglich verdichtet, macht als Erstes die Akustikplanung ungültig.
- Verkehrswege an den Rand. Ein Hauptweg quer durch die Arbeitsfläche bringt sprechende, gehende Menschen in die Mitte des ruhigsten Bereichs.
- Blöcke nach Zusammenarbeit bilden. Gemischte Belegung erzeugt Gespräche über den Block hinweg, genau das, was Abschirmungen nicht auffangen.
- Geräuschquellen zuerst platzieren. Drucker, Kaffeepunkt, Treppenauge und Teeküche sind Dauerquellen und werden vor den Arbeitsplätzen gesetzt.
Wie sich daraus ein tragfähiges Raumkonzept entwickelt, beschreibt die Rolle von Zonierung in modernen Arbeitswelten; ob eine offene Fläche für Ihre Organisation überhaupt die richtige Bauform ist, diskutiert Multispace statt Einzelbüro?.
Wann geschlossene Räume die bessere Antwort sind
Ein einstündiges Telefonat am Schreibtisch lässt sich weder wegabsorbieren noch abschirmen; es gehört in einen Raum. Die wichtigste Entscheidung im Open Space ist deshalb keine akustische, sondern eine räumliche: Welche Tätigkeiten kommen gar nicht erst in die Fläche?
| Raumtyp | Wofür | Richtwert |
|---|---|---|
| Telefonbox | Einzelne Telefonate und Videocalls | eine je 15 bis 20 Arbeitsplätze |
| Fokusraum | Konzentrierte Einzelarbeit, ein bis drei Personen | einer je 10 bis 15 Arbeitsplätze |
| Besprechungsraum klein | Vier bis sechs Personen, Regeltermine | einer je 10 bis 15 Arbeitsplätze |
| Besprechungsraum vertraulich | Personal, Beratung, Geschäftsführung | nach Bedarf |
Entscheidend ist weniger die Zahl als die Lage. Ein Rückzugsraum, der 40 Meter entfernt oder dauerhaft belegt ist, wird nicht genutzt, und die Fläche hat ihn trotzdem bezahlt.
Welches System für welchen Raum
Für geschlossene Räume gilt wieder die gewohnte Logik: ein trennendes Bauteil, ein Schalldämmwert, eine Tür, die über den Wert entscheidet.
| Aufgabe in der Fläche | System | Schalldämmung bis (Rw’P) |
|---|---|---|
| Fokusraum, Telefonbox, transparente Zonierung | CLARUS | 39 dB |
| Vertrauliche Besprechung mitten auf der Fläche | CLARUS II | 51 dB |
| Bürozellen und Teamräume am Rand der Fläche | SYSTEM82 | 48 dB |
| Personal, Beratung, erhöhter Anspruch | SYSTEM105 | 52 dB |
| Offene Hallenfläche mit Meister- und Besprechungsraum | Systembüro | 42 dB |
CLARUS nimmt der Fläche mit 25 mm Bautiefe kaum Licht; CLARUS II erreicht bei gleicher Optik deutlich mehr, weil doppelt verglast. Woran der Wert am Ende hängt, steht in unserem Beitrag über Akustiktüren. Alle Systeme sind versetzbar, auf einer Fläche, die alle zwei Jahre umgeplant wird, ist das die Voraussetzung dafür, dass ein Zonenkonzept überlebt (Trennwandsystem oder Trockenbau?).
Die Reihenfolge: was zuerst geplant wird
Die meisten missglückten Open-Space-Flächen sind nicht falsch ausgestattet, sondern in der falschen Reihenfolge entschieden worden:
- Tätigkeiten erheben. Wie viel wird telefoniert, konzentriert gearbeitet, spontan besprochen? Eine Erhebung, keine Schätzung.
- Zonen festlegen. Ruhe, Austausch, Durchgang, Nebennutzung; erst die Zonen, dann die Möbel.
- Geschlossene Räume einplanen, bevor die Arbeitsplätze verteilt sind.
- Decke belegen. Die größte zusammenhängende Fläche und die Voraussetzung dafür, dass alles Weitere wirkt.
- Abschirmung setzen, wo Blickachsen zwischen Arbeitsplätzen bestehen, hoch genug und ohne Lücken.
- Boden, Möbel und Textilien ergänzen. Sie schließen die Lücke zwischen Rechenwert und Raumgefühl.
- Grundgeräusch einstellen. Zum Schluss, und mit dem Wissen, dass Stille kein Ziel ist.
Der Fehler, der am meisten kostet
Die Akustikdecke wird eingespart, weil das Budget knapp ist, und stattdessen werden Stellwände gekauft. Das ist die teuerste denkbare Reihenfolge, weil Abschirmungen ohne absorbierende Decke nur einen Bruchteil ihrer Wirkung entfalten. Wie viel Absorptionsfläche eine Fläche tatsächlich braucht, lässt sich vorab überschlagen; der Rechenweg steht in Raumakustik messbar machen.
Regeln gehören ins Konzept, nicht in die Hausordnung
Jede Zone braucht eine Verabredung darüber, was in ihr erlaubt ist, kein weicher Zusatz zum Bauprojekt, sondern eine Planungsgröße: Wenn in der Ruhezone nicht telefoniert werden soll, muss es genug Boxen geben. Wenn spontane Absprachen erwünscht sind, braucht es Stehplätze dafür. Regel und Angebot gehören zusammen; sonst hält keines von beiden.
Deshalb werden Nutzungsregeln in der Planung entschieden und nicht nach dem Einzug verkündet. Eine Fläche erzieht ihre Nutzer, ob man das will oder nicht. Die häufigsten Fehler davor stehen in 7 Fehler, die bei der Büroplanung immer wieder passieren.
Häufige Fragen zum Schallschutz im Open Space
Welchen dB-Wert braucht ein Open Space?
Keinen. Ein Schalldämm-Maß beschreibt ein Bauteil zwischen zwei Räumen; in einer offenen Fläche gibt es dieses Bauteil nicht. Vereinbart werden stattdessen die Pegelabnahme je Abstandsverdopplung D2,S, der Sprachpegel in vier Metern Abstand und der Ablenkungsabstand. Ein dB-Wert zählt erst wieder für geschlossene Räume.
Was ist der Ablenkungsabstand?
Die Entfernung von einer sprechenden Person, ab der ein Gespräch nicht mehr gut genug zu verstehen ist, um abzulenken; der Sprachübertragungsindex STI fällt dort unter 0,50. Als gut gilt ein Wert bis etwa fünf Meter, als schlecht mehr als zehn.
Wie hoch müssen Stellwände im Großraumbüro sein?
Für sitzende Tätigkeiten gilt 1,50 Meter über dem Boden als Mindestmaß; wir planen mit 1,60 Metern zwischen einzelnen Arbeitsplätzen und 1,80 Metern zwischen zwei Zonen. Entscheidend ist, dass die Sichtverbindung zwischen den Köpfen unterbrochen ist, und dass die Decke darüber absorbiert.
Was bedeutet das ABC-Prinzip in der Büroakustik?
Absorb, Block, Cover: Schall aus dem Raum nehmen, den direkten Weg unterbrechen, den Rest mit einem gleichmäßigen Grundgeräusch verdecken. Die Reihenfolge ist verbindlich, ohne Absorption wirkt keine Abschirmung, und ohne beides ist ein Maskiergeräusch nur zusätzlicher Lärm.
Ist Sound Masking in Deutschland zulässig?
Die Regelwerke sind sich uneinig. Die ASR A3.7 hält fest, dass das Einspielen von Hintergrundrauschen als Maskierer für die Hintergrundsprache vermieden werden soll; die VDI 2569 bewertet ein gleichmäßiges Grundgeräusch positiv. In der Praxis wird die Aufgabe meist über die Lüftungsanlage gelöst.
Wie viele Telefonboxen und Fokusräume braucht eine Fläche?
Als Planungsansatz aus unseren Projekten: eine Telefonbox je 15 bis 20 Arbeitsplätze und ein kleiner Fokus- oder Besprechungsraum je 10 bis 15. Der Bedarf steigt, wenn viel telefoniert oder beraten wird. Wichtiger als die Zahl ist die Lage: in Sichtweite und ohne Buchungshürde.
Reicht eine Akustikdecke allein aus?
Für kleine Mehrpersonenbüros oft ja, für große offene Flächen nein. Absorption bremst die Reflexionen, aber nicht den direkten Schall zwischen zwei Arbeitsplätzen. Ohne Abschirmung bleibt die Abklingrate flach und der Ablenkungsabstand groß.
Fazit
Schallschutz im Open Space beginnt mit dem Verzicht auf ein vertrautes Werkzeug: Es gibt kein Bauteil zwischen den Arbeitsplätzen, also auch keinen Wert, den man bestellen könnte. Wer trotzdem nach Dezibel fragt, bekommt Produkte statt eines Konzepts.
Geplant wird in drei Ebenen: wie schnell ein Gespräch mit dem Abstand verschwindet, wie weit es verständlich bleibt und welche Tätigkeiten überhaupt in der Fläche stattfinden. Die ersten beiden bewegt man mit Absorption und Abschirmung, die dritte nur mit geschlossenen Räumen, und die gehören in den Grundriss, nicht in die Nachrüstung. Welche dB-Werte diese Räume brauchen, steht in Wie viel Schallschutz braucht ein Büro?.
Reden wir über Ihre Fläche.
Wir planen offene Büroflächen samt Zonierung, Rückzugsräumen und Trennwandsystemen, von der ersten Skizze bis zur Montage durch eingespielte Teams. Den Unterschied zwischen offen und ruhig zeigen wir Ihnen auf Wunsch direkt auf Ihrer Fläche.
Weiterlesen
- VDI 2569 in der Büroplanung: Raumklassen und Kennwerte
- Raumakustik messbar machen: Wie viele Absorber Ihr Büro braucht
- So verbessern Sie die Akustik im Großraumbüro
- Die Rolle von Zonierung in modernen Arbeitswelten
- Wie viel Schallschutz braucht ein Büro?
- Multispace oder Einzelbüro? Die Büroformen im Vergleich
Dieser Beitrag beschreibt Planungsgrundsätze und nennt Größenordnungen aus der Projektpraxis. Er ersetzt keine raumakustische Fachplanung und keine Messung nach DIN EN ISO 3382-3. Verbindlich sind die Anforderungen der ASR A3.7, die vertraglich vereinbarte Raumakustikklasse und die Prüfzeugnisse der eingesetzten Systeme. Angegebene Schalldämmwerte sind Prüfwerte aus dem Labor; am Bau erreichbare Werte hängen von Anschluss und Montage ab. Stand: August 2026.
Rechtlicher Hinweis. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er ersetzt weder eine Fachplanung noch eine Rechtsberatung und stellt keine Rechts-, Bau- oder Anlageberatung dar. Alle Angaben, Werte und Empfehlungen sind unverbindlich und beschreiben typische Größenordnungen aus der Praxis; im Einzelfall können abweichende Anforderungen gelten. Normen, Richtlinien und Rechtsvorschriften werden fortgeschrieben; maßgeblich ist immer die zum Zeitpunkt Ihres Vorhabens geltende Fassung. Angegebene Schalldämm- und Brandschutzwerte sind Prüfwerte aus dem Labor; die am Bau erreichbaren Werte hängen von Anschluss, Nebenwegen und Montage ab. Verbindlich sind ausschließlich die im Genehmigungsverfahren nachgewiesenen Anforderungen, die vertraglichen Vereinbarungen und die Prüfzeugnisse der eingesetzten Systeme. Für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte übernehmen wir keine Gewähr; eine Haftung für Schäden aus der Nutzung dieser Informationen ist ausgeschlossen, soweit gesetzlich zulässig. Stand: August 2026.
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